Gedicht von der Linde

Hans Karl Schmidt trägt an der 1000-jährigen Linde in Schenklengsfeld das Gedicht "Die Linde" von Felix v. Brentano vor. Kameraführung: Joachim Dehlis (siehe weiter unten).

Die Linde in Schenklengsfeld (auch Schenklengsfelder Dorflinde oder Riesenlinde genannt) ist der vielleicht älteste Baum in Deutschland. Die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) steht in Schenklengsfeld, etwa zehn Kilometer südöstlich von Bad Hersfeld im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Unter der Linde wurde mehrere Jahrhunderte lang Gericht gehalten. Bei ihr war auch ein Pranger für den Strafvollzug aufgebaut.
Koordinaten: 50° 49′ 9″ N, 9° 50′ 41″ O

Standort
Die Linde steht auf etwa 318 Meter Höhe über NN auf dem Marktplatz von Schenklengsfeld, das auf einer fruchtbaren Hochebene zwischen dem Seulingswald im Norden und dem Hessischen Kegelspiel im Süden liegt. Der Marktplatz ist leicht nach Süden geneigt und etwa 30 mal 60 Meter groß. Er ist heute komplett gepflastert. Die Linde selbst ist von einer etwa 50 Zentimeter hohen Steinmauer umgeben. Ein Balkengerüst trägt seit mindestens 1900 die Äste der Linde. Zum Innenraum hin hat die Mauer mehrere Durchgänge. Dahinter befindet sich der Sankt-Georg-Brunnen.

Beschreibung
Die Linde besteht aus vier einzelnen Teilen, die jeweils für sich als Bäume erscheinen. Innerhalb der vier Teile, die einem gemeinsamen Wurzelstock entstammen, befindet sich eine größere, durch Steine erhöhte und mit einem Lattenzaun umgrenzte Freifläche von etwa sechs Quadratmetern. Da auch vier einzelne Bäume dazu neigen, zu einem gemeinsamen Wurzelstock zusammenzuwachsen, wenn sie nur nahe genug beieinander stehen, ist noch unbewiesen, ob sich die Linde ursprünglich aus einem Stamm entwickelt hat, der später geborsten ist. Auch heute noch zeigen die Stammteile Wachstum, so dass sich die Distanz zwischen den Teilen jährlich ein Stück vergrößert. Der Wahrheitsgehalt der Legende, die Linde sei vor langer Zeit durch einen Blitzeinschlag geteilt worden, ist allerdings zweifelhaft.[2] Zu einem Zeitpunkt, als der Stamm noch aus einem Stück bestand, sollen auf den Hauptästen Balken und Dielen gelegen haben, die als Tanzpodium dienten.
Die Krone der Linde wird durch waagerecht verlaufende Hauptäste gebildet. Diese werden von einem etwa 65 Meter langen Gerüst gestützt, das auf insgesamt mehr als 80 Balken ruht.[3] Ein paar Äste wachsen im Zentrum der Krone normal in die Höhe. Die ungewöhnliche Wuchsform der waagerechten Hauptäste wurde dadurch erzielt, dass die Krone in die Breite geleitet und damit das Höhenwachstum gemindert wurde. Bei einer Höhe von etwa zehn Metern weist die Krone einen Durchmesser von fast 25 Metern auf. Ob die Leitung der Äste zur Gewinnung von Bast diente, wie das bei anderen Tanzlinden beurkundet ist, ist nicht bekannt. Bei diesem Verfahren wurden die jungen, senkrechten Triebe der geleiteten Linde zur Gewinnung von Bast für Veredelungen in der Apfelzucht abgeschnitten. Damit die Zweige stets in ausreichender Menge geerntet werden konnten, wurden sie nach unten gebogen und in dieser Position fixiert. Dadurch bildeten sich die charakteristischen querstrebenden Äste.

Stammumfang
Die Messung des Stammumfanges gestaltet sich schwierig, da der Stamm aus vier einzelnen, voneinander getrennten Teilen besteht. Man misst um die vier Stammteile herum, die jeweils etwa drei Meter Umfang haben. Dabei wird der fehlende Zwischenraum nicht berücksichtigt. In einem Meter Höhe beträgt der Stammumfang, gemessen auf diese Weise, 17,91 Meter. An der Stelle seines geringsten Durchmessers hat der Stamm einen Umfang von 17,80 Metern. Die Linde weist damit den größten Umfang eines Baumes in Deutschland auf. Eine Messung von Hartwig Goerss im Jahre 1978 ergab in 0,5 Meter Höhe einen Umfang von 17,40 Metern.

Alter
Über das Alter der Linde gibt es verschiedene Angaben. Auf einem Stein, der sich im Zentrum der vier Stammteile befindet, steht Gepflanzt im Jahre 760. Dieses Datum ist identisch mit dem des Kapellenbaus. Danach wäre die Linde heute annähernd 1250 Jahre alt. Von wem und wann der Stein angebracht wurde, ist nicht überliefert. In der ARD-Sendung Deutschlands älteste Bäume am 23. April 2007 wurde die Linde von Stefan Kühn vom Deutschen Baumarchiv mit wahrscheinlich 1000 Jahren oder mehr als ältester Baum in Deutschland vorgestellt Hans Joachim Fröhlich gab 1990 ebenfalls ein Alter von über 1000 und Anette Lenzing 2005 von 1200 bis 1300 Jahren an. In der neuesten Literatur, Deutschlands alte Bäume, wird das Alter der Linde mit 600 bis 1000 Jahren angegeben. Die Minimaleinschätzung von 600 Jahren stammt dabei von Bernd Ullrich, die 1000 Jahre aus Unterlagen des Deutschen Baumarchivs.

Geschichte
Die Linde soll nach den Angaben von T. Rosskopf aus dem Jahre 1964 in Das Landecker Amt im Kreise Hersfeld im Jahre 760 beim Bau einer Kapelle zu Ehren des Ritters Sankt Georg gepflanzt worden sein, wovon ein Stein im Zentrum der vier Stammteile zeugt. Zu diesem Zeitpunkt hieß der Ort noch Lengisfeld. Die Pflanzung der Linde ist jedoch nicht beurkundet. Die Linde diente von 1557 bis 1796 ständig und danach bis weit in das 19. Jahrhundert zeitweise als Gerichtslinde sow ie lange Zeit als Treffpunkt für Tanz und Jahrmarkt. Die Linde ist aufgrund ihrer Besonderheit schon lange als Naturdenkmal ausgewiesen. Basierend auf dem Feld- und Forstpolizeigesetz von 1880 wurde sie bereits 1926 und 1930 in Anordnungen der Kreis- und Ortspolizeibehörde zum Schutz der Naturdenkmale und 1936 nach dem Reichsnaturschutzgesetz geschützt. Im Jahr 1976 wurde die Linde vom Baumchirurgen Michael Maurer für 11.000 DM saniert. Eine weitere Sanierung erfolgte erst kürzlich – und zwar am 16. November 2009 im Auftrag des BUND durch die Firma Gebrüder Wäldchen aus Ulrichstein.

Tanzlinde
Der Baumchirurg Michael Maurer beschreibt das frühere Aussehen und die Nutzung der Linde in seinem Gutachten vom 30. September 1968 folgendermaßen: „Und es ist nicht allein die Schenklengsfelder Linde, deren unteren Astkranz man soweit auszog. Ursprünglich zog man diese Linde hoch in drei Stufen, ja sogar 3 Stufen des Bodens. Dies hängt mit der Einteilung im germanischen Glauben zusammen: Unter dem Baum die Riesen (Teufel), im Baume die Menschen und oben in der dritten Stufe (Himmel) die Asen. Dazu glaubte man, dass der Brauttanz unbedingt im Hause der Freija, der guten Fee, getanzt werden müsste, um Glück zu bringen. Sicherlich war diese Linde auch einmal dreistufig. Genau wie an der berühmten Effeltricher Linde verkümmerte der Mittelstamm durch die zu starke Förderung der untersten Stufe, verhungerte er, starb von oben herab ab. Sicherlich tanzte man vor 200 Jahren noch oben, später unten.“
Michael Maurer: Gutachter

Gerichtslinde
In Schenklengsfeld übten Beamte von 1557 bis 1796 ständig und anschließend bis weit in das 19. Jahrhundert hinein zeitweise das Richteramt aus. Das in der Nähe der Linde gelegene ehemalige Amtshaus in der Landeckerstraße 8 war der Sitz des landgräflich-hessischen Amtmannes, des obersten Richters des Landecker Amtes. Unter der Gerichtslinde wurden die von Karl dem Großen eingeführten Ratsversammlungen als Thing oder Rügegericht abgehalten. Die verurteilten Feldfrevler wurden unter der Linde an einem Pfahl eine oder mehrere Stunden, teilweise auch einen oder mehrere Tage, angekettet. Dies wird belegt durch den Fund eines Schließeisens, mit dem Verurteilte am Pranger befestigt wurden. Hartwig Goerss schrieb 1981 darüber: „In früheren Zeiten fanden unter der Linde die Rügegerichte statt. Sie wurden von der Gemeindevertretung abgehalten und hatten den Zweck, die Feldfrevler zu verurteilen. Diese Missetäter wurden an einen unter der Linde angebrachten Pfahl (Löngestock), an welchem sich ein Schließeisen befand, eine oder mehrere Stunden, oft auch einen ganzen Tag, angeschlossen.“
Hartwig Goers

Heutige Bedeutung
Das Tanztreffen hat sich bis in die heutige Zeit erhalten und wird alle zwei Jahre im Juni als Lindenblütenfest gefeiert. Dabei zeigen Trachtengruppen, Gesangvereine und historische Festzüge Szenen aus der Geschichte. Als Höhepunkt findet zum Abschluss des Festes eine Illuminierung der Linde durch ein Feuerwerk statt. Die Linde ist eine der Sehenswürdigkeiten der Gemeinde.